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10. August 2026Fischer und Libera: „Andere Städte suchen Lösungen – Mülheim darf das Projekt nicht länger wegargumentieren“
Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr bekennt sich weiterhin klar zur Einrichtung einer beleuchteten Laufstrecke. Nachdem die bislang im Zusammenhang mit der Internationalen Gartenausstellung 2027 verfolgte Planung nicht umgesetzt werden kann, fordert die Fraktion nun schnellstmöglich eine tragfähige Alternative.
„Eine beleuchtete Laufstrecke wäre ein echter Mehrwert für den Breiten- und Freizeitsport in unserer Stadt. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten brauchen Läuferinnen und Läufer eine Strecke, auf der sie auch nach Feierabend sicher trainieren können. Deshalb halten wir an diesem Vorhaben fest und erwarten, dass nun zügig eine realisierbare Lösung erarbeitet wird“, erklärt der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Filip Fischer.
Für die SPD-Fraktion ist die Sicherheit dabei ein entscheidendes Argument. Gerade Frauen verzichten in der dunklen Jahreszeit häufig darauf, allein auf unbeleuchteten und abgelegenen Wegen zu laufen. Eine gut einsehbare und verlässlich beleuchtete Strecke kann Angsträume reduzieren und mehr Menschen ermöglichen, unabhängig von Tageszeit und Jahreszeit Sport zu treiben.
Eine Verlagerung auf den Radschnellweg hält die SPD-Fraktion dagegen nicht für überzeugend. Der Radschnellweg ist in erster Linie für einen zügigen und möglichst störungsfreien Radverkehr vorgesehen. Eine zusätzliche intensive Nutzung durch Läuferinnen und Läufer würde insbesondere in stark frequentierten Zeiten neue Konflikte schaffen. Unterschiedliche Geschwindigkeiten, Überholvorgänge und Begegnungsverkehre könnten die Sicherheit sowohl der Laufenden als auch der Radfahrenden beeinträchtigen.
„Wer eine sichere Laufstrecke schaffen will, darf die Menschen nicht einfach auf einen Radschnellweg schicken. Eine Strecke, auf der schnelle Fahrräder, Berufspendler, Spaziergänger und Läufer gleichzeitig unterwegs sind, erfüllt gerade nicht den Sicherheitsanspruch, den wir mit diesem Projekt verbinden. Das gilt insbesondere für Frauen, die in der dunklen Jahreszeit eine übersichtliche und verlässlich beleuchtete Strecke brauchen, auf der sie sich auch allein sicher fühlen können“, betont die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Laura Libera.
Für die SPD-Fraktion steht außer Frage, dass Natur- und Artenschutz bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Vergleichbare Projekte in der Region zeigen jedoch, dass moderne Beleuchtung, Bewegungs- und Dämmerungssensoren, reduzierte Lichtintensitäten sowie die Anpassung einzelner Streckenabschnitte Lösungen ermöglichen können.
So bestehen unter anderem in Oberhausen, Duisburg, Gladbeck, Essen und Bochum beleuchtete Laufmöglichkeiten. Auch dort verlaufen Strecken durch Grünanlagen, entlang von Gewässern oder in naturnahen Bereichen. Offenbar ist es in den Nachbarstädten möglich, sportliche Nutzung, Sicherheitsinteressen und Naturschutz miteinander zu vereinbaren.
Libera kritisiert deshalb den bisherigen Umgang mit dem Mülheimer Projekt deutlich: „Es fällt zunehmend schwer nachzuvollziehen, warum in unseren Nachbarstädten beleuchtete Laufstrecken auch in naturnahen Bereichen möglich sind, während in Mülheim jedes neue Gutachten scheinbar nur den nächsten Grund liefert, warum es angeblich nicht gehen soll. Andere Städte betreiben eine Politik des Ermöglichens. In Mülheim erleben wir dagegen viel zu häufig eine Politik des Wegargumentierens.“ Natürlich müssten sensible Bereiche geschützt und mögliche Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen berücksichtigt werden. Das dürfe jedoch nicht dazu führen, das gesamte Projekt infrage zu stellen.
„Naturschutz bedeutet nicht, dass keinerlei Veränderung mehr möglich sein darf. Es bedeutet, verantwortungsvolle Lösungen zu entwickeln. Wenn ein Streckenabschnitt problematisch ist, muss man den Verlauf verändern. Wenn bestimmte Lichtquellen ungeeignet sind, muss man eine bessere Technik einsetzen. Und wenn eine Route insgesamt nicht genehmigungsfähig ist, muss man eine andere Route finden. Was nicht akzeptabel ist: immer neue Hindernisse aufzuzählen und daraus am Ende abzuleiten, dass überhaupt nichts möglich sein soll“, so Libera.
Bereits seit 2017 wird über eine beleuchtete Laufstrecke in Mülheim gesprochen. Seitdem sind erhebliche Energie, Arbeitszeit und viel persönliches Engagement in die Planung, die Prüfung verschiedener Varianten und die Entwicklung eines möglichst naturverträglichen Beleuchtungskonzepts geflossen.
„Zu viel Energie und Herzblut sind bereits in dieses Projekt geflossen, um es jetzt stillschweigend zu beerdigen. Nach fast zehn Jahren können wir uns nicht erneut mit der Antwort zufriedengeben, dass alles nicht geht. Wir erwarten keine weitere Endlosschleife aus Gutachten, Prüfaufträgen und Verschiebungen, sondern einen konkreten Vorschlag: Wo kann die Strecke entstehen, was kostet sie und wann wird sie umgesetzt?“, fordert Libera.
Die ursprünglich eingeplanten Fördermittel im Zusammenhang mit der IGA können für eine alternative Strecke voraussichtlich nicht genutzt werden, wenn diese nicht innerhalb des dafür vorgesehenen Grüngürtels liegt. Für die SPD-Fraktion darf diese förderrechtliche Einschränkung jedoch nicht das Ende des gesamten Projekts bedeuten.
„Die beleuchtete Laufstrecke ist nicht nur ein Projekt für die IGA, sondern eine langfristige Investition in Sport, Gesundheit und Sicherheit in unserer Stadt. Wenn die IGA-Förderung aufgrund eines anderen Standorts nicht genutzt werden kann, muss die Finanzierung auf anderem Wege sichergestellt werden. Dann müssen weitere Förderprogramme, eine Beteiligung städtischer Partner, Sponsoring oder eine Finanzierung aus dem städtischen Haushalt ernsthaft geprüft werden. An der Finanzierung darf dieses Projekt nicht scheitern“, erklärt Fischer.
Libera ergänzt: „Auch die Förderbedingungen dürfen nicht zur nächsten bequemen Begründung werden, weshalb wieder nichts passiert. Wenn die Strecke außerhalb des vorgesehenen IGA-Grüngürtels entstehen muss, muss die Stadt dafür eine andere Finanzierung aufstellen. Unsere Nachbarstädte zeigen, dass solche Projekte politisch gewollt, finanziert und unter Berücksichtigung des Artenschutzes umgesetzt werden können. Es fehlt also nicht an Beispielen oder technischen Möglichkeiten. Was es jetzt braucht, ist der klare politische Wille, dieses Projekt endlich möglich zu machen.“
Die SPD-Fraktion fordert die Verwaltung daher auf, zeitnah geeignete Alternativrouten vorzulegen, diese nach transparenten Kriterien zu bewerten und einen belastbaren Zeit- und Finanzierungsplan für die Umsetzung einer eigenständigen beleuchteten Laufstrecke zu erarbeiten.


